Verbundprojekt „Multiplikatorenprogramm Forscherstation“ in Kooperation mit der PädQUIS gGmbH

Als Reaktion auf die bildungspolitische Forderung nach einer stärkeren Betonung des Bildungsauftrags des Kindergartens lässt sich aktuell die Tendenz beobachten, dass in großer Geschwindigkeit zahlreiche neue Fortbildungsprogramme entwickelt werden. Begleitende Evaluationen, die sich mit Qualität, Nachhaltigkeit und Wirkung der bereitgestellten Fördermaßnahmen für Erzieherinnen theoriebasiert auseinandersetzen, sind hingegen in den wenigsten Fällen vorzufinden. Nimmt man den Bildungsauftrag des Kindergartens ernst, sollte die Zielsetzung von Fortbildungsinstitutionen allerdings darin bestehen, erfolgreiche, d.h. praxiswirksame Programme zu identifizieren und deren Effekte in einem größeren Personenkreis und unter leicht variierenden Bedingungen zu replizieren. Eine großflächige Verbreitung eines Fortbildungskonzeptes – mit gleichbleibender Qualität und in nachhaltiger Weise – erscheint vielversprechend, wenn die Interventionsmaßnahmen von verschiedenen, speziell geschulten Personen, sogenannten Multiplikatoren, durchgeführt werden. Im Sinne der Qualitätssicherung ist es hierbei erforderlich, die Multiplikatoren selbst – zusätzlich zu den Wirkungen des Fortbildungsprogramms auf die teilnehmenden Erzieherinnen und die von ihnen betreuten Kinder – in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses zu rücken.

Das Fortbildungs- und Coachingprogramm „Mit Kindern die Welt entdecken“ (kurz: MKdWe-Programm) bietet für eine Verbreitung über Multiplikatoren ideale Voraussetzungen. Es wurde in der Forscherstation Heidelberg entwickelt und seit 2006 in verschiedenen Durchläufen mit bislang über 350 Teilnehmern (Erzieherinnen) aus 119 Kindertageseinrichtungen unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt. Die bisherigen Ergebnisse der kontinuierlichen Begleitforschung zum MKdWe-Programm sind in einer Evaluationsstudie (Zimmermann, 2011) zusammengefasst. Sie zeigen einen deutlichen Anstieg der auf naturwissenschaftliche Bildung bezogenen, selbst eingeschätzten pädagogischen Kompetenzen der Fachkräfte, der auch bei einer Messung mehrere Monate nach Abschluss des Programms erhalten bleibt. Auf Ebene der direkten Zielgruppe des Fortbildungsprogramms (der Erzieherinnen) erfüllt das MKdWe-Programm die Kriterien einer Maßnahme mit empirisch fundiertem Potential zur Verbreitung in die Fläche somit bereits zum jetzigen Zeitpunkt. Bislang wurde allerdings noch nicht empirisch überprüft, ob sich die selbst eingeschätzten Kompetenzentwicklungen der Elementarpädagogen in Bezug auf naturwissenschaftliche Frühförderkompetenz (NFFK) auch in optimierten Handlungsweisen im Kita-Alltag niederschlagen.

Im Rahmen des Projekts „Multiplikatorenprogramm Forscherstation“ sollen daher drei eng ineinandergreifende Forschungsfragen beantwortet werden. Können die neu ausgebildeten Fortbildner unter den kontrollierten Bedingungen einer systematischen Multiplikatorenausbildung befähigt werden, die Inhalte des MKdWe-Programms in gleichbleibender Qualität den Erzieherinnen anzubieten?

  1. Gelingt es, die an Selbstaussagen der Teilnehmer geknüpfte Überprüfung des Qualitäts-Outputs der Fortbildungsreihen um die Erhebung potentieller Veränderungen in den Interaktionen zwischen Erzieherinnen und Kindern zu erweitern? Somit soll die Frage nach den konkreten Praxiswirkungen des Programms mithilfe einer experimentellen Feldstudie beantwortet werden.
  2. Welche zusätzlichen Effekte hat das fortbildungsbegleitende Coaching auf den Professionalisierungsprozess der Erzieherinnen?

Lässt sich im Rahmen des Projekts nachweisen, dass die durch das MKdWe-Programm hervorgerufenen positiven Veränderungen in der eigenen Kompetenzwahrnehmung der Erzieherinnen auch zu positiven Effekte in der Interaktion mit den von ihnen betreuten Kindern führen, können auf einer breiter abgesicherten Basis eine weitere Programmverbreitung und -ausdifferenzierung in Angriff genommen werden.

Projekt-Laufzeit: 01.03.2013 bis 29.02.2016
Wissenschaftliche Mitarbeit: Miriam Brandtner, Isabelle Kremer, Stefen Müller

Teilbereichsleitung PädQUIS gGmbH: Prof. Dr. Wolfgang Tietze
Wissenschaftliche Mitarbeit: Hendrik Lohse-Bossenz, Daniel Schmerse

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