Bitte beachten Sie die aktuellen Informationen zu unseren Angeboten aufgrund des Corona-Virus. Zu den Informationen.
Bitte beachten Sie die aktuellen Informationen zu unseren Angeboten aufgrund des Corona-Virus. Zu den Informationen.

Frühkindliche situationale Interessen an Lernumgebungen zur frühen naturwissenschaftlichen Bildung

Naturwissenschaftliche Interessen sind ein wichtiger Bestandteil früher naturwissenschaftlicher Bildung und sollten daher frühzeitig identifiziert und gestärkt werden. Zur Identifikation werden bislang entweder Interessensgegenstände anhand von Befragungen bestimmt oder es wird die Interessiertheit kindlichen Verhaltens gegenüber Referenzobjekten eingeschätzt, die von Dritten als naturwissenschaftliche Interessensgegenstände charakterisiert werden. Zur Stärkung frühkindlichen naturwissenschaftlichen Interesses über pädagogische Interaktionsprozesse gibt es bisher keine systematische empirische Evidenz. Die vorliegende Dissertation adressierte daher drei übergeordnete Forschungsfragen. Forschungsfrage 1: Inwiefern lässt sich frühkindliches naturwissenschaftliches Interesse aus einer Beobachtungsperspektive rekonstruieren? Genauer: Inwiefern lässt sich sowohl das Woran (Interessensgegenstand) als auch das Wie (Interessiertheit) naturwissenschaftlichen Interesses unter Berücksichtigung entwicklungsentsprechender Fähigkeiten bestimmen? Hierfür wurde ein besonderer Fokus auf die kognitive, d. h. aufmerksame Auseinandersetzung von Kind und Lerngegenstand (potentieller Interessensgegenstand) gelegt. Forschungsfrage 2: Wie hängen Aufmerksamkeitsfokus und Aufmerksamkeitsintensität als kognitive Komponenten frühkindlichen naturwissenschaftlichen Interesses miteinander zusammen? Informationen über das Wie und Woran wurden hierfür integriert und in ihrem wechselseitigen Zusammenspiel exploriert. Forschungsfrage 3: Welche Rolle spielt das verbale Unterstützungsverhalten der pädagogischen Fachkraft in der Entstehung und Aufrechterhaltung situational-naturwissenschaftlichen Interesses? Zur Beantwortung dieser Fragen wurde eine explorative Videostudie mit elf Kindern (3;3 bis 6;2 Jahre) in einer Kindertageseinrichtung in Baden-Württemberg durchgeführt. Zur qualitativen Aufbereitung der Videodaten wurden drei Kategoriensysteme entwickelt: zur Bestimmung kindlicher Aufmerksamkeitsfoki (K1), kindlicher Aufmerksamkeitsintensität (K2) und der verbalen Unterstützung der pädagogischen Fachkraft (K3). Die Auswertung erfolgte quantitativ hinsichtlich wechselseitiger Zusammenhänge (sequenzielles mixed-method-Design). Bezüglich Forschungsfrage 1 belegt Publikation 1, dass sich spontane Kinderäußerungen zur theoretisch begründeten Rekonstruktion (naturwissenschaftlicher) Interessensgegenstände eignen. Publikation 2 zeigt ferner, dass eine beobachtungsbasierte Erfassung der Aufmerksamkeitsintensität weitere wichtige Hinweise zur Einschätzung der momentanen Interessiertheit liefert. In der Betrachtung des Zusammenspiels von Aufmerksamkeitsfokus und -intensität (Forschungsfrage 2) hat sich der Aufmerksamkeitsfokus als zentrales Bestimmungsmerkmal für naturwissenschaftliches Interesse erwiesen. Erste längsschnittliche Befunde legen nahe, dass die domänenspezifische Interessensausrichtung häufig erst zum Ende einer interessierten Auseinandersetzung bestimmt werden kann. Die Rolle der pädagogischen Fachkraft (Forschungsfrage 3) kann als Lernbegleitung, die ihre verbale Unterstützung sensibel am Verhalten des Kindes ausrichtet, zusammengefasst werden. Publikation 3 konnte folgende, potentiell interesseförderliche Faktoren identifizieren: die Modellierung naturwissenschaftlich interessierten Verhaltens, das Gewähren von Freiräumen zur Exploration sowie eine sensibel auf das jeweilige Kind abgestimmte verbale Unterstützung. Insgesamt zeigen die explorativen Befunde, dass ein beobachtend-rekonstruierender Zugang zu frühkindlichem (naturwissenschaftlichem) Interesse – insbesondere die Fokussierung des Zusammenspiels von Informationen über Interessensausrichtung und -ausprägung – einen wertvollen Beitrag sowohl für die weitere Forschung als auch für die pädagogische Praxis leisten kann.

Weitere Informationen bei:

Dr. Miriam Brandtner Tel.: +49 (0) 6221 - 43103-50 brandtner@forscherstation.info

X
X